Manchmal sind es eben doch die kleinen Dinge im Leben, die einen großen Einfluss auf den Verlauf des Schicksals haben! Oder weniger lyrisch ausgedrückt: „Wenn du am falschen Ende sparst, dann kann dir ein so kleines Teil wie der der Popfilter bei der Aufnahme deines Podcasts, echte Probleme machen. Vor allem wenn er fehlt!

Die ganze Sache mit dem PLOP war mir so wichtig, dass ich dem „kleinen Teil“ einen ganzen Artikel gewidmet habe. Dabei will ich dir einen kurzen Einblick in die Akustik geben und dir alles Wissenswerte über den Popfilter verraten. Am Ende gibt’s noch ein paar Tipps wie du dem PLOP entgegen wirken kannst.

Woher kommt eigentlich der PLOP?

Vor kurzem habe ich einen Podcast gehört, bei dem der Podcaster offensichtlich zu dicht an seinem Mikrofon war. Jedenfalls produzierte er permanente Plopgeräusche, was mich etwas nervte, denn teilweise wurden dadurch ganze Worte irgendwie unverständlich.

Du hast das bestimmt schon selbst erlebt, wenn du einmal auf einer Veranstaltung warst, auf der ein Redner zu nah vor dem Mikrofon gestanden hat. Es soll ja Leute geben, die das Mikrofon am liebsten permanent abschlabbern würden.

Abgesehen davon, dass das Mikro danach eine Grundreinigung braucht, steigt das Risiko starker Plopgeräusche expotentiell an.

Aber was verursacht eigentlich dieses Geräusch?

Das unangenehme Ploppen entsteht immer dann, wenn ein sehr schneller Luftstrom auf die Membran des Mikrofons trifft und sie unkontrolliert in Schwingung versetzt. Dabei spielen die so genannten Plosivlaute eine wichtige Rolle. Sie gehören in der Phonetik zu den Verschlusslauten.

Die wichtigsten Plosivlaute, bei deren Artikulation ein Verschluss gebildet wird, sind „p“, „b“, „t“, „d“, „k“ und „g“. Vereinfacht gesagt entsteht durch einen Plosivlaut ein Überdruck im Mundraum, der anschließend durch einen plötzlichen Luftstoß gelöst wird.

Das Ergebnis ist der so oft erwähnte PLOP, denn keiner mag und den es zu verhindern gilt.

Der richtige Filter

Der definitiv einfachste und schnellste Weg den unerwünschten PLOP los zu werden, ist die Verwendung eines Popfilters. Dieser stoppt den Luftstrom und verhindert, dass dieser auf die Membran trifft und den ungeliebten Ton verursacht.

Viele Hersteller werben damit, dass ihr Mikrofon bereits über einen integrierten Popfilter verfügt.

An deiner Stelle würde ich mich aber nicht darauf verlassen, denn durch die kompakte Bauform ist der Popfilter meist sehr dicht vor der Membran angebracht und kann die Popgeräusche meiner Erfahrung nach nicht wirklich zuverlässig verhindern.

Ich habe z.B. lange mit meinem eigenen Mikrofon rumgespielt und ohne einen zusätzlichen Popfilter ist es echt schwer eine saubere Aufnahme hinzubekommen ohne dabei auf ein paar Tricks zurück zu greifen, auf die ich später noch genauer eingehen werde.

Aber lass’ uns zunächst einmal ein paar grundlegende Infos über den kleinen Helfer durchgehen, bevor ich dir noch ein paar persönliche Empfehlungen an die Hand gebe.

Wie ist ein Popfilter aufgebaut?

Im Grunde genommen ist der Popschutz noch gar nicht so alt. In den 70igern wurde im besten Fall ein Schaumstoff-Windschutz eingesetzt und wenn man genau hinhört, dann kann man auf den alten Platten aus dieser Zeit durchaus den einen oder anderen Plop hören.

In den 80igern begann man mehr Wert auf einen transparenten und höhenreichen Klang zu legen und merkte, dass die kleinen Schaumstoffhelfer der Stimme die Höhen nahmen. Es musste also eine Alternative gefunden werden und diese schien in Sichtweite, als ein findiger Tontechniker mit einem Damenstrumpf experimentierte.

Dieser wurde fachmännisch über einen Kleiderbügel gezogen und vor dem Mikrofon befestigt. Diese herrlich einfache Konstruktion bremste nicht nur die Plosivlaute erfolgreich, sondern die gewünschten Höhen wurden deutlich weniger reduziert.

Das war der Durchbruch für den heute allgegenwärtigen Popfilter, der mittlerweile natürlich nicht mehr aus einem Damenstrumpf und einem Kleiderbügel hergestellt wird. Aber wenn du mal die ersten Popfilter im Einsatz sehen willst, dann schau dir mal das Video zu „We are the world“ von 1984 an und schau ganz genau hin.

Heute sieht der Popfilter zwar noch ganz ähnlich aus, hat sich aber bedeutend weiter entwickelt und mit dem Damenstrumpf nur noch eins gemeinsam, nämlich das Material aus dem der Schirm hergestellt ist. Damals wie heute wird dafür Nylon verwendet und üblicherweise sind es ein bis zwei Lagen, je nach Preisklasse.

Der Kleiderbügel ist jedoch glücklicherweise verschwunden und einer professionellen Konstruktion gewichen.

Ich persönlich habe einen Popfilter der Firma König & Meyer* (Partnerlink), der mit 2 von einander getrennten Nylonlagen bespannt ist und seinen Job hervorragend erfüllt.

Du bekommst ihn derzeit für knapp 20,- €

Im Prinzip erfüllen alle Popfilter dieser Bauart mehr oder weniger ihren Zweck. Du solltest jedoch nicht am falschen Ende sparen und lieber eine Version mit doppelter Nylonbespannung wählen. Du weißt doch: „Doppelt gemoppelt hält besser!“

Wenn du allerdings lieber was Solides vor deinem Mikro montieren willst, dann solltest du dir mal die seit Kurzem erhältlichen Popfilter aus Metall* (Partnerlink) anschauen. Sie stoppen den Luftstrom nicht einfach, sondern leiten ihn um, sodass er die Mikrofonmembran nicht trifft.

Ein Metall Popfilter bekommst du schon ab 12,50 €

Wie montierst du deinen Popfilter?

Vor dem Kauf solltest du allerdings auf die passende Befestigungsmöglichkeit sowie auf die Länge des Schwanenhalses achten. Normalerweise sind diese Schwanenhälse zwischen 30 und 35 cm lang und haben am Ende eine Klemme, die sich an einem Stativ befestigen lässt.

Nun gilt es den Popschutz so zu befestigen und auszurichten, sodass er sich in einem Abstand von ca. 5 cm vor dem Mikrofon befindet. In meinem Fall lies sich das einfach nicht realisieren. Wie ich es auch machte, mit meinem Rode Studioarm und der passenden Mikrofonspinne hat die Länge des Schwanenhalses einfach nicht gereicht.

Ich war schon kurz davor das Dingen in die Tonne zu kloppen, da kam mir die Idee, den Popschutz einfach an der Mikrofonspinne zu befestigen um wieder Länge gut zu machen. Und das brachte die Lösung des Problems.

Hinweis: Wenn du ein klassisches Tischstativ* oder einen Mikrofonständer* (Partnerlinks) verwendest, dann ist die Befestigung des Popfilters ein Kinderspiel.

Solltest du aber, so wie ich, einen Studioarm* mit Mikrofonspinne* (Partnerlinks) verwenden, dann kannst du den Popfilter mit ein wenig Geduld einfach direkt an der Mikrofonspinne montieren. Achte dabei aber darauf keines der elastischen Gummis zu blockieren, da dadurch die Trittschallentkopplung behindert wird.

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Sobald du den Popfilter erfolgreich befestigt hast, solltest du ihn ausrichten, sodass ca. 5 cm zwischen Mikrofon und Filter bleiben.

Bei jedem durch ein Plosivlaut entstandenen Lufstoß dehnt sich das Gewebe deines Filters aus und der richtige Abstand zwischen Mikrofon und Popfilter verhindert, dass es dabei das Mikrofon berührt.

Gibt es eine Alternative?

Wer den doch etwas sperrigen Popfilter nicht so gerne mag, der kann sich auch einen deutlich günstigeren Windschutz zulegen. Diese sind meist aus Schaumstoff und werden wie ein Kondom über das Mikrofon gestülpt. Sie haben zusätzlich den Vorteil, dass man damit auch mobil ist.

 Windschutz für Mikrofone bis 50 mm Durchmesser

 Windschutz für Rode Podcaster oder Procaster

Wer allerdings mit seinem Mikrofon draußen in der Natur Aufnahmen machen will und dabei immer wieder mit starken Windgeräuschen zu kämpfen hat, der sollte anstatt des einfachen Windschutzes auf ein Windfell setzen.

Sowohl der Popfilter als auch der Windschutz haben eines gemeinsam. Sie reduzieren bzw. verhindern Plosivlaute und schützen zusätzlich deine Membran vor Feuchtigkeit.

Wieviel Nähe ist erlaubt?

Einige Podcaster nutzen ihren Popfilter oder Windschutz als eine Art Abstandsregler. Sie halten stets einen hauchdünnen Kontakt zwischen Nase und Filter, um damit zu gewährleisten, dass sie während der Aufnahme nicht aus versehen immer weiter abdriften und sich irgendwann zu weit vom Mikrofon entfernen.

Ich habe das auch eine Weile probiert aber irgendwann wieder aufgegeben. Der Abstand ist natürlich wichtig und sollte relativ konstant sein, aber gehst du zu nah an den Popfilter ran, besteht die Gefahr, dass du das Gewebe mit Speichel verschmutzt und das muss ja auch nicht sein.

Darüber hinaus können sich bei direkter Berührung des Windschutzes evtl. Geräusche auf die Membran übertragen.

In professionellen Radiostudios hat daher auch jeder Moderator seinen eigenen Mikrofonkorb, den er dann vor seiner Show einfach auf das Mikro schraubt.

Braucht jeder einen Popfilter?

Bei Gesangaufnahmen ist der Popfilter evtl. sogar unerwünscht, da er bestimmte Höhen ausfiltert und dadurch das Hauchen und Atmen nicht mehr wahrgenommen wird. Allerdings überwiegen die Vorteile diesen kleinen Nachteil bei Weitem, so dass du als Sänger ebenfalls einen Popfilter einsetzen darfst.

Für alle anderen und speziell für Podcaster, ist der kleine Helfer meiner Meinung nach absolut unerlässlich, insbesondere da es ihn ja bereits für knapp 5,- € gibt.

Was kannst du noch tun?

Du willst die Extrameile gehen? Ganz sicher gehen, dass kein noch so kleiner Plop den Weg in deine Aufnahme findet? Dann gibt es noch ein paar Dinge, die dir dabei helfen können.

Der richtige Abstand

Es klingt banal ist aber einer der häufigsten Fehler den Podcaster machen. Sie halten nicht den richtigen Abstand zum Mikrofon ein. Dadurch kann der Luftstrom, speziell bei Plosivlauten, nirgend wo anders hin als gerade auf die Membran zu donnern und dort entsteht dann der unerwünschte Plop.

Bei einem Abstand von etwa 10 – 15 cm lässt sich das Risiko eines PLOPs schon dramatisch senken. Leider nicht gänzlich, wie ich in meinen Tests feststellen musste.

Der richtige Winkel

Je nach Mikrofon kannst du dein individuelles PLOP-Risiko noch weiter senken, indem du nicht frontal in das Mikro sprichst, sondern aus einem Winkel von ca. 30-45°. Bei meinem Großmembranmikrofon, dem Rode Procaster, konnte ich damit sehr gute Ergebnisse erzielen.

Teste es am besten mit deinem eigenen Mikrofon aus, indem du dir parallel den Aufnahmepegel in einer Aufnahmesoftware wie Audacity anschaust. Sobald der Pegel unter die Marke von -27DB fällt, wird deine Stimme zu leise aufgenommen und du solltest den Winkel nicht weiter erhöhen.

Die richtige Aussprache

Das ist natürlich leichter gesagt als getan, denn gerade bei der Aufnahme eines klassischen Podcasts oder eines Interviews, ist man schnell in seinem Element und vergisst dabei auf seine Aussprache zu achten. Dennoch ist es sinnvoll möglichst gleichmäßig zu sprechen und zu versuchen nicht unkontrolliert bzw. zu stark auszuatmen.

Hier kann es anfangs hilfreich sein abzulesen anstatt frei zu sprechen. Dadurch konzentrierst du dich deutlich mehr auf deine Stimme und deine Aussprache.

Fazit

Ein gutes dynamisches Mikrofon und ein geschlossener Kopfhörer sind sicherlich eine solide Basis für dein Podcast Projekt. Dennoch kann dir so ein kleiner Plop mächtig die Laune verderben. Von daher solltest du das Geld in die Hand nehmen und dir einen Popfilter zulegen. Damit hast du eine solide Basis geschaffen und musst dir keine Sorgen mehr über unerwünschte Geräusche machen.

Auf den Punkt gebracht solltest du Folgendes beachten:

1.) Verwende wenn möglich ein dynamisches Großmembran Mikrofon mit integriertem Popfilter

2.) Halte einen Sicherheitsabstand zum Mikrofon ein, um das Risiko eines Plops zu minimieren

3.) Sprich gleichmäßig und vermeide eine hektische Atmung

4.) Setze einen Popfilter aus Nylon oder Metall ein um auf Nummer sicher zu gehen

5.) Verwende einen geschlossenen Kopfhörer, um während der Aufnahme mit zu hören.

Willst du wissen, welches Equipment ich einsetze? Dann schau dir einfach mal meine Equipment-Seite an. Dort findest du immer wieder neue Produkte, die ich verwende und getestet habe.

Und wenn du noch weitere Fragen hast, dann schick mir eine Mail an  sascha@meinpodcast.com. Ich werde dir dann zeitnah antworten.

Wenn du Lust hast dich mit Gleichgesinnten über alles rund ums Thema Audio Podcasting auszutauschen, dann tritt meiner Facebookgruppe  „Werde Podcaster“  bei und diskutiere mit uns. Wir freuen uns  auf dich.

Ich würde mich freuen, wenn du beim nächsten Mal wieder mit dabei bist.

Bis dahin lass‘ uns was Bedeutendes schaffen!

Dein
Sascha Röhler