Warum braucht ein Podcaster eigentlich einen Kopfhörer? Das ist doch nur was für DJ’s und Musiker oder?

Solche oder so ähnliche Fragen höre ich immer wieder von Leuten, die die Investition in einen vernünftigen Kopfhörer scheuen. Natürlich wissen die meisten Leute, die einen eigenen Podcast planen, dass es von Vorteil ist mit Kopfhörer aufzunehmen. Und du spätestens seit letzter Woche auch, wenn du meinen Artikel gelesen hast.

Heute wirst du die 4 wichtigsten Vorteile für den Einsatz eines Kopfhörers kennen lernen. Außerdem möchte ich dir helfen rauszufinden, welcher Typ du bist und was zu dir passt.

Warum also einen Kopfhörer?

Vielleicht ist dir das gar nicht so bewusst, aber die meisten Menschen antworten auf die Frage: „Wofür braucht man einen Kopfhörer“ wie selbstverständlich mit: „Na zum Musik hören!“ Damit liegen sie natürlich richtig vor allem, wenn es um Meditations- oder Entspannungsmusik geht. Aber für dich als Podcaster sind die folgenden Vorteile viel interessanter.

1.) Einpegeln

Der mit Abstand häufigste Fehler den Podcaster begehen, glaub mir, das passiert auch mir noch, ist eine zu niedrige, zu hohe oder ständig schwankende Lautstärke während der Aufnahme. Das lässt sich nur durch eine aufwändige Tonbearbeitung wieder ausgleichen. In erster Linie gilt natürlich die goldene Regel „konstanter Abstand zum Mikrofon“ als einer der wichtigsten Faktoren für eine gleichmäßige Lautstärke. Allerdings ist das deutlich leichter, wenn du während der Aufnahme deine eigene Stimme hörst. Dann fällt dir z.B. ein deutliches Absinken der Lautstärke sofort auf und du kannst eingreifen.

2.) Mithören

Nicht weniger wichtig ist die Möglichkeit mithören zu können, denn das was man üblicherweise von seiner Stimme hört, hat mit dem, was man über den Kopfhörer hört, nicht wirklich viel zu tun. Folgende Vorteile sind dabei zu erwähnen:

– Du hörst deine eigene Stimme und lernst sie zu mögen

– Du kannst besser einschätzen, ob es gut klingt

– Du merkst sofort, wenn du dich zu weit vom Mikrofon weg bewegst und

– Du hörst das Endergebnis während du aufnimmst

3.) Ungestört arbeiten

Wenn du beim Aufnehmen eines Podcasts stets mit Kopfhörer arbeitest, wirst du bald bemerken, wie sich dein ganzes Ich auf die Aufnahme fokussiert. Du tauchst in eine andere Welt ein und vergisst alles um dich herum auch weil die meisten Umgebungsräusche abgeschirmt werden. Nichts und niemand kann dich stören. Aber Achtung, nicht erschrecken wenn dir auf einmal jemand auf die Schulter tippt.

4.) Interviews aufnehmen

Als Podcaster kannst du, wie eingangs gesagt, auch ohne Mikrofon leben. Allerdings nur solange du alleine aufnimmst und keinen Interviewpartner zu dir in die Show einlädst. Ein Interview kannst du natürlich nur dann führen, wenn du dein Gegenüber auch hören kannst. Spätestens jetzt brauchst du einen geeigneten Kopfhörer mit dem du Nachhalleffekte konsequent vermeidest.

Im letzten Artikel “Warum du auf keinen Fall auf einen Kopfhörer verzichten darfst” habe ich bereits auf dieses Phänomen hingewiesen. Wenn du diesen Artikel noch nicht gelesen hast, solltest du das bei Gelegenheit tun.

Deine eingebauten Lautsprecher sind übrigens keine Option, denn damit wirst du definitiv einen massiven Halleffekt in deine Aufnahme kriegen, denn alles was dein Interviewpartner sagt, kommt aus den Lautsprechern und wird prompt von deinem Mikrofon aufgeschnappt. Das gilt es natürlich zu vermeiden.

Wenn du den Nutzen von Kopfhörern kennst, dann brauchst du dir nur noch Gedanken darüber zu machen, was du aufnehmen willst und wo? Welcher Kopfhörer für dich optimal ist, hängt letztendlich auch davon ab.

Welcher Typ bist du?

Der Solo-Podcaster

Sitzt du nur in deinem Homestudio und  nimmst Solo Podcasts auf? Dann kannst du entweder Ohrstöpsel oder einen ohrumschließenden Kopfhörer einsetzen. Beide sollten jedoch halb-offen oder geschlossen sein und natürlich einigermaßen bequem.

Der Interviewer

Du willst also nicht nur alleine aufnehmen, sondern hin und wieder einen Gast interviewen? Vielleicht planst du ja sogar eine Show in der du permanent einen Partner an deiner Seite hast? Sobald du regelmäßig Interviews über Skype oder eine ähnliche Software führen willst, solltest du auf Nummer sicher gehen und einen geschlossenen Kopfhörer auswählen.

Der Reisende

Ja es gibt sie tatsächlich. Podcaster, die nicht nur im Studio hocken, sondern regelmäßig unterwegs aufnehmen. Wenn auch du dich mit dem Gedanken trägst mal aus dem Hotelzimmer oder vom Strand zu senden, dann solltest du besser Kopfhörer wählen, die leicht und bequem sind und sich evtl. einklappen lassen. Aber auch für den mobilen Einsatz gilt: Offene Varianten sind tabu und wenn du ein Interview aufnimmst, dann solltest du auch hier ein geschlossenes Modell bevorzugen.

Der Unentschlossene

Wenn du dich irgendwie in allen Bereichen angesprochen fühlst oder derzeit noch gar nicht weißt, wo du dich langfristig hinbewegen willst, dann kannst du sicherlich mit einem universellen Kopfhörer starten, der prinzipiell in allen Bereichen einsetzbar ist und preislich attraktiv ist. In etwas Besseres kannst du später immer noch investieren.

Kabel Ja oder Nein?

Beim Kopfhörer stellt sich mittlerweile sehr häufig die Frage ob man bereits auf das Kabel verzichten kann oder besser nicht.

Ich habe dazu eine klare Meinung. Überall wo ein Kabel nicht wirklich störend ist, nutze ich ausschließlich Komponenten und Geräte mit Kabel.

Zur Verdeutlichung mal ein paar Vor- und Nachteile von kabellosen Kopfhörern:

Vorteile:

– Brauchen kein Kabel

– In Reichweite des Bluetooth Senders können mehrere Kopfhörer gleichzeitig betrieben werden.

– Dolby Surround 5.1 ist realistisch möglich

Nachteile:

– Oft gibt es keinen separaten Bluetooth Adapter, so dass die Verwendung mit einem Mischpult oder Audiointerface nicht ohne Weiteres möglich ist.

– Am Computer kann ein solcher Kopfhörer nur verwendet werden, wenn dieser bereits einen eingebauten Bluetooth Sender hat. Ansonsten muss ein separater Adapter bestellt werden, was wieder Zusatzkosten verursacht.

– Es kann zu Verzerrungen und Aussetzern kommen

– Der Klang ist meist schlechter als der von Kopfhörern mit Kabel

– Diese Kopfhörer benötigen Batterien, die immer aufgeladen und einsatzbereit sein müssen

Worauf solltest du noch achten?

In den technischen Daten vieler Kopfhörer wirst du oft die Bezeichnung „Impedanz“ lesen. Was bedeutet das und welche Impedanz ist optimal? Vereinfacht gesagt beschreibt das Wort Impedanz den elektrischen Widerstand, den ein Kopfhörer besitzt.

Je höher die Impedanz ist, desto weniger Wicklungen hat die Spule. Sie ist dadurch leichter und sensitiver, braucht aber mehr Spannung (nicht Strom!) um einen gewissen Lautstärkepegel zu erreichen. Dafür ist der Klang ist aber um Längen besser und daher sind diese Kopfhörer optimal für den Einsatz in deinem Homestudio.

Bei der Verwendung mit mobilen Endgeräten wie Digitalrekordern, iPods usw. solltest du stattdessen auf einen Kopfhörer mit einer niedrigen Impedanz (am besten unter 32 Ohm) achten. Da mobile Geräte meist ein unzureichende Vorverstärkung mitbringen und dadurch die Lautstärke des Kopfhörers zu niedrig ausfällt.

Optimal für den mobilen Einsatz: Kopfhörer mit einer Impedanz von 16 bis etwa 80 Ohm – je nach Hersteller und Modell.

Optimal für den Studioeinsatz: Kopfhörer (meist ohrumschließende Modelle) mit einer Impedanz von 250 bis 600 Ohm.

Fazit

Kopfhörer sind nicht nur zum Musikhören geeignet. Sie sind in modernen Studios vielfach im Einsatz und sollten auch in einem vernünftigen Podcast-Studio nicht fehlen. Wenn du qualitativ hochwertige Aufnahmen machen willst und keine Lust hast viele Stunden vor dem Schnittprogramm zu versauern, dann solltest du vor vorne herein in einen guten und vor allem für den Einsatzzweck geeigneten Kopfhörer investieren.

Nächste Woche ist es daher soweit und ich werde dir im letzten Teil meine persönlichen Favoriten unter den Kopfhörern vorstellen. Außerdem erfährst du alles Wichtige rund um das Thema Zubehör. Damit solltest du das passende Modell für dein Budget auswählen können.

Willst du wissen, welches Equipment ich einsetze? Dann schau dir einfach mal meine Equipment-Seite an. Dort findest du immer wieder neue Produkte, die ich verwende und getestet habe.

Und wenn du noch weitere Fragen hast, dann schick mir eine Mail an  sascha@meinpodcast.com. Ich werde dir dann zeitnah antworten.

Wenn du Lust hast dich mit Gleichgesinnten über alles rund ums Thema Audio Podcasting auszutauschen, dann tritt meiner Facebookgruppe  „Werde Podcaster“  bei und diskutiere mit uns. Wir freuen uns  auf dich.

Ich würde mich freuen, wenn du beim nächsten Mal wieder mit dabei bist.

Bis dahin lass’ uns was Bedeutendes schaffen!

Dein
Sascha Röhler